Der Juni hielt für Philipp von den Funbikern des TSV Heiligenrode die nächsten zwei Rennen der Enduro1-Serie bereit. Nach dem Saisonstart im April ging es am 19. und 20. Juni in das fränkische Lichtenfels-Trieb, das Wochenende darauf folgte in Biebergemünd-Rossbach im Spessart das wohl anspruchsvollste Rennen der Saison.
Rennen #2 in Lichtenfels-Trieb: Solider Punkterang, doch zu zögerlich für mehr
Nach einem Sightseeing-Stop am Vormittag in Bamberg, ging es am Freitagnachmittag für Philipp mit 3 Stunden Trainingsfahrt los. Nach der Mittagshitze in der Stadt, wirkte der Wald schön kühl, aber das Thermometer zeigte dennoch 36° C. Drei Strecken durften hier trainiert werden, darunter auch die Stage 6 mit dem Zielsprung vom örtlichen Geräteschuppen hinunter - welcher Philipp vorab ein mulmiges Gefühl gab, sich aber in Wirklichkeit dann sehr entspannt fahren ließ. Ansonsten lief das Training bis auf eine Streckensperrung aufgrund von Dreharbeiten des Bayerischen Rundfunks, die einen Bericht über die Veranstaltung produzierten, unspektakulär ab. Spektakulär ging es dann in der Nacht zu: Zum Schlafen war es in der aufgeheizten Unterkunft eigentlich viel zu warm, dazu folgte ein zweistündiges Gewitter mit unzähligen Blitzen.
Am Samstagmorgen wurde dann der Prolog gefahren. Im Fahrerfeld verbreitete sich schnell die Information, dass es im Wald nach der regnerischen Nacht ordentlich feucht ist und die Strecke mit den Bedingungen im Training am Vortag wenig zu tun hat. Entsprechend startete Philipp sehr zögerlich in den Tag: Nach dem Prolog belegte Philipp den zwölften Rang unter den 29 Startern in der Klasse. Nachdem die insgesamt ca. 450 Starter auf Basis des Prolog-Ergebnis sortiert waren, startete das Hauptrennen. Auch hier ging Philipp eher vorsichtig zur Sache, konnte seine Position nicht verbessern, machte aber auch keine groben Fehler. Gleichzeitig brutzelte am Himmel wieder ungehemmt die Sonne und trieb das Thermometer wieder hoch. Wie erfrischend als es am frühen Nachmittag zur Stage 3 in ein Lagerhaus ging. Hier hatte der ausrichtende Verein RVC Trieb mal etwas ungewöhnliches vorbereitet. Es ging über drei Stockwerke, Treppen hinunter, Laderampen hinauf, durch zwei LKW-Trailer hindurch und um viele enge Kurven sowie über Paletten-Hindernisse hinweg.
Im Anschluss führte die Route wieder zurück in den Wald und dieser wies inzwischen wieder abgetrocknete Bodenverhältnisse auf. Philipp wurde mutiger, erhöhte sein Grundtempo und blieb gleichzeitig sturzfrei. Er fuhr bis auf den achten Rang vor und verkürzte die Abstände zu seinen Vordermännern immer weiter. Nach am Ende sechs gewerteten Strecken sowie dem Prolog stand am Ende nicht nur eine Platzierung in den Punkterängen, sondern auch das Wissen, dass im engen Feld der Bronzerang nur 14 Sekunden entfernt lag.
Rennen #3 in Rossbach: Harter Wettkampf endet unerwartet erfolgreich
Rossbach gilt seit Jahren als das Highlight im Kalender der Enduro1, weswegen das Interesse bei Gaststartern hoch und das Event oftmals vorzeitig ausverkauft ist. Dieses Jahr trat dieser Fall nicht ein, mit 690 Nennungen blieben überschaubare 10 Restplätze frei. Das Hitzewochenende warf wohl seinen Schatten voraus und so kam es auch, dass nochmal einige Sportler weniger tatsächlich antraten. Von den 30 gemeldeten Startern in Philipps Serienklasse stellten sich nur 22 dem Wettbewerb und am Ende erreichten lediglich 16 das Ziel.
Das Wochenende in Rossbach legte in jeder Hinsicht zum vorherigen Event einen obendrauf. 40° C statt „nur“ 36° C, 1050 statt 850 Höhenmeter, dazu ausschließlich knüppelharte Abfahrten die am Wochenende diverse Spuren an Material und Sportlern hinterließen (soweit bekannt gottseidank nur leichte Verletzungen nicht schlimmer als Schlüsselbeinbrüche). Philipp war zum ersten Mal vor Ort und am Trainingstag sichtlich erstaunt, wie anspruchsvoll die Strecken gestaltet waren. Sandige, sehr staubige Böden trafen auf durchgehend große Wurzeln und Steine sowie teils sehr steile Hanglagen. Drei Strecken durften trainiert werden, die anderen drei würden am nächsten Tag ohne Vorkenntnisse im Renntempo befahren – oh weh oh weh. Am Abend des Trainingstages folgte mit dem Prolog die erste gezeitete Prüfung, welche Philipp mit einem guten sechsten Rang beendete. Das spendete Selbstvertrauen und zur Abwechslung blieb es diesmal in der Nacht trocken und die Streckenbedingungen blieben unverändert, was Philipps Anspannung etwas beruhigte.
Am Sonntagmorgen wurden zuerst die drei aus dem Training bekannten Strecken gefahren und Philipps Ziel war es direkt mit gutem Tempo zu starten und sich vorzuarbeiten – natürlich ohne durch einen Sturz schon früh an Platzierungen einzubüßen. Der Plan ging auf, bereits nach Stage 1 klettere Philipp auf den Bronzerang vor, nach Stage 3 zeigte das Live-Timing dann Silberkurs an. Jetzt folgten die unbekannten Streckenabschnitte, der Erstplatzierte hatte einen komfortablen Vorsprung, aber auf den nachfolgenden Rängen lauerten noch drei Verfolger in Schlagdistanz. Philipp versuchte folglich das Ergebnis zu verwalten, kein großes Risiko mehr einzugehen und nach jeder Abfahrt zu gucken, wie sich die Verfolger schlugen. Der Plan ging auf, der Abstand blieb konstant gewahrt. Philipp beendete das Rennen auf einem starken zweiten Platz, ging erstmals auf das Podium und nahm einen Pokal sowie 25 Meisterschaftspunkte mit nach Hause. In der Meisterschaft wurde Philipp nun ebenfalls durch die dicken Punkte bis auf den vierten Rang vorgespült, so dass die Gesamt-Saison absolut spannend bleibt.




